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Der Schreinermeister Otto Hetzer begründete als Erfinder des Brettschichtholzes mit seinem Patent die heute weltweite Verbreitung von geklebten Vollholzkonstruktionen. Foto: Studiengemeinschaft Holzleimbau
07. Juli 2017

60 Jahre Studiengemeinschaft Holzleimbau

Mehr als hundert Gäste aus Deutschland und dem angrenzenden europäischen Ausland feierten am 7. Juli 2017 in der historischen Schinkelhalle in Potsdam das sechzigjährige Bestehen der Studiengemeinschaft Holzleimbau. Mitglieder, Freunde und Kooperationspartner aus Forschung und Entwicklung trafen bei strahlendem Sonnenschein im Kulturareal an der Schiffsbauergasse für eine Jubiläumsveranstaltung mit kulturellem Rahmenprogramm ein.

Am 05.08.1957 wurde die Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. in Düsseldorf gegründet. Seitdem avancierte sie mit immer neuen Forschungsprojekten, Zulassungen und Zertifikaten zu einem dynamischen Schrittmacher des Ingenieurholzbaus. In einem Festvortrag würdigten Jürgen Schaffitzel als 1. Vorsitzender der Studiengemeinschaft Holzleimbau und Dr.-Ing. Tobias Wiegand als Geschäftsführer herausragende Wegbereiter des modernen Ingenieurholzbaus.

Pioniere des Ingenieurholzbaus

Mit seinem am 22.06.1906 eingereichten Reichspatent 197773 begründete der Zimmermeister Otto Hetzer als Erfinder des Brettschichtholzes die Geschichte des modernen Ingenieurholzbaus mit weitgespannten Vollwandkonstruktionen. Hetzer Bauteile hatten bis zu 45 mm dicke Lamellen. Stumpfstöße zwischen diesen Lamellen wurden mit Hilfe von Kaseinleim, einem Eiweißklebstoff, hergestellt. Die Vielzahl der noch erhaltenen Bauwerke, wie zum Beispiel der Bahnhofshalle des HBF in Stockholm, zeigen bis heute die hohe Dauerhaftigkeit von Leimholzkonstruktionen bei materialgerechtem Einsatz.

Wegweisende Innovationen

Ein weiterer Meilensteine war im Jahr 1929 die Erfindung des kalthärtende Kaurit-Leims durch den Chemiekonzern IG Farben. Der Harnstoff-Formaldehyd Klebstoff war mit einer Fugendicke von 2,5mm auch für die Brettschichtholzproduktion geeignet. Als Kaurit WHK wurde er noch bis zur Umstellung auf MUF Klebstoffe im Jahr 1988 vertrieben. Im Jahr 1938 wurde die Keilzinkenverbindung als tragende, gefaltete mehrfache Schäftungsverbindung entwickelt, die alsbald die nicht-tragenden Stumpfstöße ersetzen sollte.

Neuorientierung und Gründung in der Nachkriegszeit

Großbrände in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs und die Holzknappheit der Nachkriegszeit bremsten zunächst die Entwicklung des Ingenieurholzbaus. Vor diesem Hintergrund nahmen Organisationen wie der Bund Deutscher Zimmermeister und die Deutsche Gesellschaft für Holzforschung ihre Tätigkeit nach kriegsbedingter Unterbrechung wieder auf. Mit Blick auf die Gründung zahlreiche neuer Verbände erkannten auch die Hersteller von Brettschichtholz die Notwendigkeit einer gemeinsamen Interessenvertretung. Am 14.05.1957 trafen sich Leimbaubetriebe in Düsseldorf, um die Gründung der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V zu diskutieren, die darauf am 05.08.1957 von 32 Herstellern ins Leben gerufen wurde. Das bis heute im Wesentlichen unveränderte Satzungsziel lautete: „Untersuchung aller den Holzleimbau betreffenden wissenschaftlich, wirtschaftlichen und technischen Fragen, die Weiterentwicklung der Holzleimbauweise und die Förderung aller Bestrebungen zu Gunsten der Verwendung der verleimten Holzkonstruktionen.“

Motor für Forschung und Entwicklung

Von Anfang an war der technische Ausschuss der Motor der Gemeinschaft. Ein Beispiel für die Entwicklungen der 60er Jahre ist die so genannte „Dortmunder Schale“. Der Prototyp des bekannten Architekten Günter Behnisch für ein hölzernes Schalentragwerk wurde wesentlich von der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. finanziert. Aufgrund langjähriger Vorarbeiten wurden für die Olympiade 1972 mehrere Bauten in Holz errichtet. Es gab sogar ernstzunehmende Überlegungen das Olympiadach selbst in Holz auszuführen. Auch die Winterspiele im norwegischen Lillehammer im Jahre 1994 glänzten mit einer Vielzahl von spektakulären Holzbauten. Diese und viele weitere Beispiele von herausragenden Bauten des Ingenieurholzbaus, wie das EXPO-Dach für die Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000, markierten bedeutende Meilensteine der technischen Entwicklung. Die Studiengemeinschaft hat eine Festschrift herausgegeben, die die beeindruckende Vielfalt die Bandbreite des heutigen Ingenieurholzbaus darlegt.

Zukunftsperspektiven

Ab Ende der 90er Jahre vertrat die Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. auch die Hersteller von Balkenschichtholz, zu denen sich später auch die Hersteller von Brettsperrholz, Furnierschichtholz und Verbindungsmitteln gesellten. Zum Beginn des Jahrtausends entstanden Standorte mit sechsstelligen Kapazitäten und die Digitalisierung (CNC, Entwurfs- und Abbundprogramme) schritt immer weiter voran. Aufgrund komplizierter werdender Bemessungsvorschriften unterstützte die Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. Softwareentwickler bei der Entwicklung wirtschaftlicher Bemessungsprogramme. Darüber hinaus wurde unter der Geschäftsführung von Dr.-Ing. Tobias Wiegand seit 2002 das Normenwerk in den 2010er Jahre mit den Produktnormen Eurocode 2014 und 2015 für Brettschichtholz, Balkenschichtholz und keilgezinktes Vollholz zunehmend europäischer. 60 Jahre jung blickt die Studiengemeinschaft Holzleimbau im Zeichen der Internationalisierung auf eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte mit heute mehr als 70 Mitgliedsunternehmen.

>>> Festschrift der Studiengemeinschaft Holzleimbau

 

 

Bei strahlendem Sommerwetter trafen mehr als hundert Gäste aus Deutschland und dem angrenzenden Ausland in Potsdam ein. Foto: Studiengemeinschaft Holzleimbau
Neben dem kulturellen Rahmenprogramm sorgte ein kulinarisches Festmenü für das leibliche Wohl mit viel guter Laune. Foto: Studiengemeinschaft Holzleimbau
Der historische Überblick erinnerte auch an den Moment der Gründung, an dem am 05.08.1957 die Erfolgsgeschichte des Ingenieurholzbaus begann. Foto: Studiengemeinschaft Holzleimbau
Die technischen Ausschüsse waren über sechs Jahrzehnte die Motoren für eine rasante Innovation des Holzbaus. Foto: Studiengemeinschaft Holzleimbau
Unter dem historischen Holzdachstuhl der Schinkelhalle verbrachten Mitglieder, Freunde und Kooperationspartner einen geselligen Abend. Foto: Studiengemeinschaft Holzleimbau
Das kulturelle Rahmenprogramm leitete mit Musik und viel guter Laune durch einen unvergesslichen, geselligen Abend. Foto: Studiengemeinschaft Holzleimbau

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