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Holzhochhäuser für Detroit im amerikanischen Pavillon, © Bettina Schürkamp
27. Juli 2016

Architekturbiennale 2016

Die 16. Architekturbiennale von Venedig steht ganz im Zeichen von Baumaterialien, die durch ihre natürliche Ausstrahlung und Haptik bestechen.

Neben den Favoriten Bambus, Ziegel und Stein spielt auch der Holzbau eine bemerkenswerte Rolle bei den diesjährigen Ausstellungen im Arsenale und den Länderpavillons im Giardini. Im internationalen Kontext wird eine große Bandbreite von Projekten aufgezeigt, die von lokalen, caritativen Selbsthilfe-Bauprojekten im ländlichen Raum in Afrika oder Südamerika bis zu mehrgeschossigen Wohnbauten im dichten urbanen Raum von Metropolregionen in Europa, Amerika oder Asien reicht.

Giardini

Die Bedeutung der Materialität und Haptik für die diesjährige Architekturbiennale unterstreicht in der Hauptausstellung im großen Eingangssaal eine imposante Bogenkonstruktion. Die dynamische Form wurde aus unverputzten Ziegeln in einem innovativen Mauerverbund erstellt. Diesen zentralen Zugangsraum, der bei der Architekturbiennale 2014 noch ganz im Zeichen von Film und Medien stand, widmet der diesjährige Kurator Alejandro Aravena ganz der im Material ruhenden Konstruktion. Der diesjährige Direktor der Biennale präsentiert Baumaterialien als einen Schlüssel zu einer lokalen und gerechteren Bauwirtschaft. Holz zählt wie Bambus zu den nachwachsenden Rohstoffen, die auch ohne industrielle Produktion für das Bauen verwendet werden können. Bauten für caritative Organisationen in Afrika oder öffentlich Holzbauprojekte werden als Mischung von beauftragter Bauleistung und Selbstbau im Mittelpunkt von lokalen Gemeinschaften errichtet.

In den weiteren Räumen der Hauptausstellung präsentieren Architekturbüros wie Rogers Stirk + Partners oder auch Renzo Piano eine Mischung von historischen und aktuellen Projekten. So entsteht ein spannungsvoller Gegensatz zwischen den utopisch anmutenden Architekturexperimenten der sechziger und siebziger Jahre und neuen Projekten, die heute digitalgesteuert und industriell vorgefertigt werden. Roger Stirk + Partner stellen in diesem Zusammenhang mehrere aktuelle Holzbauwohnprojekte vor, die aus stapelbaren Holzcontainern bestehen. Rogers Stirk + Partner erläutern mit einem Film, wie in ihrem heutigen Holzwohnungsbau, Wohneinheiten in der Fabrik vorgefertigt und dann mit einem LKW auf die Baustelle gebracht werden. Analog zu den städtebaulichen Visionen der britischen Poparchitektur der sechziger Jahre, werden die Module mit einem Kran angehoben und in Position gebracht. Gestapelt entstehen so städtebaulich wirksame Holzhochhäuser für die Metropolen dieser Welt. Im Gegensatz zu diesen großmaßstäblichen Strukturen präsentieren Kasuyo Seijima + Ryue Nishisawa von SANAA mit ihrem Inujima Landschaftsprojekt eine Serie von bescheidenen Pavillons für ein Museum für Kunst und Architektur. Mit Bezug zur japanischen Tradition im Holzbau fügen sie sich einfühlsam in den landschaftlichen Kontext ein. Im zentralen Pavillon treffen so von Raum zu Raum immer neue Projekte mit unterschiedlichen städtebaulichen Maßstäben und sozialen Ambitionen aufeinander. Der Betrachter erlebt eine virtuelle Reise durch unterschiedliche Kontinente und Kulturen, in denen Architektur gesellschaftlich sehr unterschiedliche Rollen einnimmt und sich auf sehr unterschiedliche Weise seiner sozialen Verantwortung bewusst wird.

Länderpavillons

Diese Leitmotive des diesjährigen Direktors der Architekturbiennale nehmen auch viele Länder Pavillons im Giardini und darüber hinaus in ihren Ausstellungskonzeptionen auf. Ganz ähnlich wie die zuvor beschriebene Präsentation von SANAA thematisiert auch der japanische Pavillon den landesspezifischen Holzbau in einer Reihe von aktuellen Architekturprojekten und wurde dafür mit dem „Silbernen Löwen“ der Architekturbiennale ausgezeichnet. Der diesjährige „Goldene Löwe“ wurde dem spanischen Pavillon zugesprochen, der in Metall- und Holzrahmen eine vielfältiges Spektrum von Projekten darlegt, die auf sehr sinnliche Weise neben vielen weiteren Aspekten die haptische Qualität der Architektur mit bestechenden Fotos in Zentrum stellt. Fotos, die in ihrer Präzision Materialien zwischen Oberflächenstruktur, Patina und Verfall für den Betrachter greifbarmachen, spielten auch im belgischen Pavillon nebenan eine verblüffende Rolle. Unzählige Stadtfragmente, zufällig oder planvoll am Wegesrand fotografiert, wurden hier zu neuen, virtuellen Fassaden, Gebäuden oder Landschaften zusammenmontiert, die mal mehr oder weniger Urphänomen wie die Schwerkraft mit großer Leichtigkeit außer Kraft setzen.

Unabhängige Ausstellungen in der Stadt

Auch im historischen Altstadtbereich von Venedig sind zum Beispiel im Palazzo Bembo und Palazzo Mora unabhängige Werkausstellungen von Architekturbüros zusehen. In unglaublicher Dichte sind hier neben vielen anderen auch immer wieder innovative Holzbauprojekte aus Europa, Amerika oder auch Asien und anderen Regionen der Welt zu sehen. Die Ausstellungen öffnen dem interessierten Publikum viele Räume, die sonst verschlossen sind und dem Besuch der Architekturbiennale ein zusätzliches venezianisches Flair verleihen.

Richard Rogers im Zentralen Pavillon der Architekturbiennale, © Bettina Schürkamp
Goldener Löwe für den spanischen Pavillon, © Bettina Schürkamp
Tradition und Innovation des Holzbaus im japanischen Pavillon, © Bettina Schürkamp
Holzbauskulptur zum Erklettern im Bereich des Arsenale, © Bettina Schürkamp

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