Die Wieder- und Weiterverwendung von Bauteilen bietet sich gerade bei Holzbauten ideal an. Insbesondere, wenn eine spätere Demontage bereits bei der Planung berücksichtigt wird. Der 2017 errichtete CIRCL-Mehrzweck-Pavillon der ABN AMRO Bank in Amsterdam (Niederlande) zeigt, wie man ein Holzgebäude nach sieben Jahren nahezu verlustfrei demontieren und für eine Wiederverwendung vorbereiten kann. Nach der Demontage im Jahr 2024 können mehr als zwei Drittel des eingesetzten Baumaterials wieder- bzw. weiterverwendet werden.
Der CIRCL-Pavillon im Amsterdamer Süden trug seinen Namen nicht, weil er auf einem kreisrunden Grundriss konzipiert worden wäre, sondern, weil er von Anfang an so konstruiert wurde, dass er ohne große Materialverluste zurückgebaut werden kann. Standort des CIRCL war der Gustav-Mahler-Platz im Amsterdamer Finanzdistrikt Zuidas. Die ABN AMRO Bank wünschte sich einen Mehrzweck-Pavillon mit Besprechungsräumen und Gastronomie für die Angestellten, der teilweise auch von der Nachbarschaft genutzt werden sollte. Als der Bahnhof erweitert und unter dem Platz eine Fahrradgarage gebaut wurde, ergab sich die Möglichkeit, hier den geplanten Pavillon zu errichten.
Es wurden Gründungspfähle gesetzt, der Keller in Stahlbeton gebaut und das Gebäude zunächst in Glas, Marmor und Kupfer geplant. Doch dann entschied sich die Bank für eine deutlich nachhaltigere Lösung in Holzbauweise. Der CIRCL-Pavillon wurde von Vornherein so angelegt, dass eine spätere Demontage problemlos möglich sein würde. Das Holzbau-Unternehmen Derix aus Niederkrüchten setzte in dem Projekt erstmalig Holz mit einer Rücknahmeverpflichtung ein.
Beim CIRCL-Pavillon handelte es sich um eine zweigeschossige Holzskelett-Konstruktion auf dem bereits vorhandenen Stahlbeton-Sockelgeschoss. Das Gebäude erstreckte sich über eine Grundfläche von etwa 18 m x 85 m und gliederte sich in 13 Querachsen und sechs Längsachsen. Die Querachsabstände betrugen 8,10 m, in Längsrichtung variierten die Achsabstände mit 3,30 m, 3,60 und 3,90 m.
Das Tragwerk wurde als offene Gitterrost-Struktur konzipiert, die in zwei übereinanderliegenden Ebenen angeordnet war. Die vertikalen Lasten wurden von Kreuzstützen mit einem Querschnitt von 20 cm x 60 cm in beide Richtungen abgetragen. Die Kreuzform wurde gewählt, um Steifigkeit in beiden Hauptrichtungen zu gewährleisten und dabei Material zu sparen. Die Kreuzstützen waren verklebt ausgeführt und am Fußpunkt über Stahlplatten mit eingeklebten Gewindestangen in die Kellerdecke eingespannt.
Da sich die Baugenehmigung auf den ursprünglichen Stahlbetonentwurf bezog und damit bestimmte Höhen eingehalten werden mussten, haben die Tragwerksplaner die Brettschichtholz-Träger an bestimmten Stellen mit rechteckigen Stahlhohlprofilen zu einem dreiteiligen Träger ergänzt, der dadurch dann mit einer geringeren Höhe auskam. Die Längsträger hatten Querschnittsabmessungen (b x h) von 20 cm x 36,3 cm, die Querträger von 20 cm x 49,5 cm. Auf den Hauptachsen wurden Stahlhohlprofile (längs: b x h = 20 cm x 30 cm bzw. quer: 20 cm x 40 cm) zur Verstärkung eingesetzt.
Die auf zwei Ebenen angeordneten Quer- und Längsträger bildeten eine Art Gitterstruktur. Auf den Trägern waren Brettsperrholz-Platten aufgebracht, die mit Vollgewindeschrauben Ø12 × 600 mm durch die oberen Träger in die unteren Träger geschraubt waren. Die Brettsperrholz-Platten wirkten als aussteifende Scheiben und übernahmen die horizontalen Lasten. Diese zweilagige Konstruktion ermöglichte maximale Flexibilität für Installationsleitungen ohne Aussparungen in den Balken, was auch den Restwert der Holzbauteile nach der Demontage erheblich erhöhte.
Derix hat mit dem Projekt CIRCL bereits 2017 erstmalig eine projektbezogene Rücknahmeverpflichtung unterschrieben und später, im Jahr 2021, auch unternehmensweit für alle ausgelieferten eigenen Brettschichtholz- und Brettsperrholz-Bauteile standardmäßig eingeführt. Mittlerweile nimmt das Holzbauunternehmen aus Niederkrüchten sogar Holzbauteile aus Rückbauprojekten an, die nicht aus der eigenen Produktion stammen.
Dass die Demontage bereits nach sieben Jahren erfolgte, war so nicht geplant gewesen. Grundsätzlich aber war genau das die Idee: eine möglichst einfache Demontage, die eine Wiederverwendung des Großteils der verbauten Materialien möglich macht. So wurden die Bauteile des CIRCL-Pavillons vorübergehend in einer Halle in den Niederlanden eingelagert und nun für Neubauprojekte eingeplant. Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe
Bauherr:
ABN AMRO Bank, NL-1082 PP Amsterdam,
https://www.abnamro.nl
Architektur:
De Architekten Cie. B.V., NL-1033 NN Amsterdam,
https://www.cie.nl
Landschaftsarchitektur:
Donkergroen i.s.m. de Architekten Cie, NL-1067 SZ Amsterdam,
https://donkergroep.com/nl
Generalunternehmen:
BAM Advies & Engeneering, NL-3981 LB Bunnik,
https://www.bamae.nl
Tragwerksplanung:
BAM Bouw en Techniek, NL-3981 AZ Bunnik,
www.bambouwentechniek.nl
Beratung:
Constructie Adviesbureau Geuijen, NL-7091 RP Dinxperlo,
https://www.cag.nu
Innenarchitektur:
Doepel Strijkers, NL-3016 CB Rotterdam,
https://doepelstrijkers.com
Holzbau (Werkplanung, Abbund und Montage):
DERIX Gruppe, D-41372 Niederkrüchten,
https://derix.de
Demontage:
Lagermaat Sloopwerken B.V., NL-8181 PD Heerde,
https://lagermaat-heerde.nl