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Das 23 m hohe Bürogebäude namens i8 auf dem iCampus des neuen Werksviertels in München sticht durch seine außergewöhnliche Architektur und Fassade aus grünen Aluminiumstreben ins Auge. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)
Das 23 m hohe Bürogebäude namens i8 auf dem iCampus des neuen Werksviertels in München sticht durch seine außergewöhnliche Architektur und Fassade aus grünen Aluminiumstreben ins Auge. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)
Der längere der beiden Gebäudeschenkel mündet in einer rechtwinkligen Spitze, die ihrerseits nur dreigeschossig ist und eine Dachterrasse hat. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)
Der Eingang des i8 liegt – leicht zurück versetzt – eher unspektakulär zwischen den beiden Gebäuderiegeln. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)
Die sechsgeschossige U-Form umschließt über die Länge, über die sich beide Gebäudeschenkel gegenüber stehen, das haushohe Atrium bzw. Foyer des Bürobaus. Es besticht durch seine helle und freundliche Atmosphäre. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)
Offene Treppen, Galerien und Loggien laden die Nutzer zum Verweilen ein und heißen Besucher willkommen. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)

Umgeben von Holz zum Arbeiten und Wohlfühlen

Im Umfeld des Münchner Ostbahnhofs entsteht ein neues Quartier, das Werksviertel. Hier sollen innovative Arbeitswelten, also Büros nach New-Work-Konzepten, ebenso ihren Platz finden wie Gastronomie, Handel, Kunst und Freizeitangebote. „Work-live-Quartier“ lautet das Credo. Eines dieser Gebäude ist das im Sommer 2025 fertiggestellte, sechsgeschossige Bürogebäude namens ‚i8’ auf dem sogenannten iCampus. Mit ihm erhielt das Werksviertel einen Holz-Hybridbau, bei dem von Anfang an das Wohlbefinden der Mitarbeitenden im Fokus der Planung stand. Eine maßgebliche und tragende Rolle spielt dabei Buchen-Furnierschichtholz.

Das renommierte dänische Architekturbüro C.F. Møller hat im neuen Münchner Quartier ein Gebäude entwickelt, bei dem die Bauherrschaft neben nachhaltiger Bauweise, vor allem auch Räume mit hoher Aufenthaltsqualität wünschte. Entsprechend stand eine harmonische Atmosphäre mit wohngesundem Raumklima für das Wohlbefinden der Nutzer im Mittelpunkt des Entwurfs, mit dem das Büro 2020 aus dem für das Projekt ausgelobten Wettbewerb als Sieger hervorgegangen ist.

Sechsgeschossige U-Form umschließt gebäudehohes Atrium

Auf einer Grundfläche von etwa 3.600 m2 entwickelt sich der 23 m hohe Sechsgeschosser in Form eines liegenden U mit unterschiedlich langen Schenkeln. Der nördliche Flügel ist mit 115 m Länge mehr als doppelt so lang wie sein paralleles Gegenüber mit 49 m Länge. Ersterer mündet in einer rechtwinkligen Spitze, die ihrerseits nur dreigeschossig ist, aber eine Dachterrasse erhielt. Alle übrigen Bereiche sind sechsgeschossig. Diese beiden etwa 19 m breiten Gebäudeschenkel sind in einem lichten Abstand von rund 11 m platziert. Zusammen mit dem rund 12 m breiten Querriegel umschließen sie bis zur Länge des kurzen Schenkels den innenseitigen U-Raum, der als Atrium dient. Jeder Gebäudeschenkel wird in Längsrichtung über einen zentralen Stahlbetonriegel erschlossen, der neben Treppen und Aufzügen auch sanitäre Anlagen und weitere Aufenthalts- und Besprechungsräume aufnimmt. Flure führen zu den beidseitig angeordneten Büros, deren Flächen sich flexibel unterteilen lassen.

Die Holzskelettbauweise aus hochtragfähigen Buchen-Furnierschichtholz(FSH)-Stützen und -Trägern ermöglichte die gewünschte offene Bürostruktur auf Basis eines Konstruktionsrasters in Gebäude-Querrichtung und in Büroraum-Längsrichtung von 5,40 m. Neben den Büroräumen mit Raumhöhen von rund 3 m bietet das i8 mit seinem Atrium auch einen Eventspace für bis zu 600 Personen. Dieses über alle sechs Geschosse reichende Atrium mit „schwebenden“ Treppen und Brücken sowie großen Holzrahmen, die sich aus der Innenfassade in den Luftraum zu schieben scheinen, ist besonders gestaltprägend.

Isometrie des sechsgeschossigen Bürogebäudes i8 in U-Form mit zwei unterschiedlich langen Gebäudeschenkeln. Ein Holzskelett aus Buchen-Furnierschichtholz bildet das Tragwerk. (Zeichnung: Eder Holzbau)
Der Grundriss vom 3. Obergeschoss zeigt prototypisch die flexible Raumeinteilung in offene und geschlossene Büroeinheiten entlang der Fassaden. Zentrale Stahlbetonriegel und flankierende Flure erschließen die Geschosse bzw. die Büros. Das große Foyer liegt zwischen den beiden U-Schenkeln. (Zeichnung: R&S Immobilienmanagement)
Konzept für die Nutzung erneuerbarer Energien sowie Darstellung des Zusammenwirkens von Sonnen- bzw. Tageslicht und Luftzirkulation in den Geschossen und im Atrium. (Zeichnung: C.F. Møller Architekten)
Die Holzskelettbauweise aus hochtragfähigen Baubuche-Stützen und -Trägern sowie die Holzrippen-Beton-Verbund-Decken ermöglichten die offene Bürostruktur auf Basis eines Konstruktionsraster in Büroraum-Längsrichtung von 5,40 m. (Visualsierung: C.F. Møller Architekten)
Der Eingangsbereich führt ins gebäudehohe Atrium. Belebt wird der Raum zudem durch große Holzrahmen, die sich aus der Innenfassade in den Luftraum zu schieben scheinen. Galerien und Loggien lockern die Innenfassade zusätzlich auf. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)
Viel Tageslicht dank viel Glas über dem Atrium sorgt zusammen mit dem allseitig sichtbaren Holz für eine freundlich helle Atmosphäre, die die Mitarbeiter im Haus auch zum Verweilen einlädt. Besuchern bietet das Atrium zudem einen überraschenden Empfang. (Foto: Yohan Zerdoun Photography)

Schlanke Buchen-FSH-Bauteile mit Holz-Holz-Verbindungen

Ohne Buchen-Furnierschichtholz, kurz Baubuche, wäre das Projekt in Holzbauweise mit solch schlanken Querschnitten und einfachen Verbindungen nicht möglich gewesen. Die hohe Tragfähigkeit der Baubuche ermöglichte außer kleineren Querschnitten auch die Ausbildung vieler Details als Holz-Holz-Verbindung, bei der die Lastübertragung direkt über Holzkontakt erfolgt.

Außer den beiden Stahlbetonriegeln sind quasi alle tragenden Bauteile wie Stützen, Fassaden- und Hauptträger sowie Unterzüge aus Baubuche gefertigt. Lediglich an den Gebäudeecken kamen Stahlbeton-Verbundträger (Peikko Deltabeam) zum Einsatz, um den Wechsel der Spannrichtung der Holz-Beton-Verbund-Decken zu bewerkstelligen. Und an anderer Stelle wählten die Tragwerksplaner aufgrund von fehlenden Stützen zudem einen 12 m weit spannenden Stahlkastenträger als Überzug bzw. Abfangträger. Doch insgesamt lag der Fokus darauf, die Lasten möglichst durch Druckanschlüsse über Holz-Holz-Verbindungen zu übertragen, um so die Menge der Verbindungsmittel reduzieren zu können.

Alle tragenden Holzbauteile wie Stützen, Haupt- bzw- Fassadenträger sind aus Baubuche gefertigt. Bei den Knotenpunkten an den Fassadenseiten schließen die Fassadenträger beidseitig an die Stützen (b x h: 36 cm x 40 cm) an, wo sie auf 10 cm tiefen Ausklinkungen lagern. (Foto: Detlev Christian Schmidt)
Die Rippendecken-Elemente mit den Doppelträgern bilden mit den dazwischen abgehängten Bereichen eine flächenbündige und ansprechende Untersicht. Die Büroräume haben Raumhöhen von rund 3 m. (Foto: Detlev Christian Schmidt)
Ausführung eines Knotenpunkts mit entsprechend geformtem Stützenkopf zur beidseitigen Auflagerung der Träger (hier als Unterzüge bzw. Fassadenträger bezeichnet) auf die konsolartigen Ausklinkungen der Stütze. Die Ausformung des Stützenkopfes zur Decke hin sowie die konsolartigen Ausfräsungen der Trägerseiten ermöglichen zudem die Auflagerung der Rippendecken, u.a. über die Doppelträger, die oberseitig aufgeschraubte Stahlplatten erhielten. (Isometrie: merz kley partner)
Stützen, Träger und Rippendecken fügen sich wie ein dreidimensionales Puzzle formschön ineinander. Die Holz-Holz-Verbindungen fungieren als Druckanschlüsse und ermöglichen die Lastdurchleitung über den direkten Kontakt von Holz auf Holz. (Foto: merz kley partner)
Eine Variation des Konstruktionsprinzips und damit der Stützen/Träger-Anschlüsse und Rippendecken-Auflagerungen ergab sich in der dreieckigen Spitze am Ende des langen Gebäudeschenkels. (Foto: Detlev Christian Schmidt)
Detail Träger/Stützen-Anschluss plus einem 33,5 cm hohen Stahlbeton-Verbundträger (Deltabeam) mit einer an die Stirnseite des Trägers aufgeschweißten Kragplatte zur Auflagerung. Deltabeam-Träger kamen nur dort zum Einsatz, wo der Wechsel der Spannrichtung der Holz-Beton-Verbund-Decken zu bewerkstelligen war. (Isometrie: merz kley partner)

Rippendecken mit hohem Vorfertigungsgrad befördern schnelle Montage

Die Geschossdecken sind mit Holz-Beton-Verbund(HBV)-Elementen in Form von Rippendecken ausgeführt. Zu jedem Deckenelement gehören vier Baubuche-Träger (b x h = 20 cm x 24 cm), jeweils einer an den äußeren Längsseiten sowie ein Doppelträger in der Mitte. Beplankt sind die Elemente betonseitig mit Holzspanplatten (LivingBoard P7). Zahnleisten, ebenfalls aus Baubuche, fassen die Elemente an den Stirnseiten und sorgen für die nötige Stabilität der Deckenelemente während Transport und Montage.

Grundriss und Längsschnitt eines regulären 5,12 m langen und 2,70 m breiten Holz-Beton-Verbund-Deckenelements mit trägerbreiten, 20 cm langen und 2,5 cm tiefen Schubkerven auf den Trägeroberseiten zur Herstellung des Verbunds zwischen dem Holz und der 12 cm dicken Betonschicht. (Zeichnung: merz kley partner)
Isometrie des hölzernen Teils eines Rippendecken-Elements aus vier Baubuche-Trägern (b x h = 20 cm x 24 cm) mit Schubkerven (Ausfräsungen) auf den Trägeroberseiten. Beplankt sind die Elemente betonseitig mit Holzspanplatten als verlorene Schalung. Baubuche-Zahnleisten fassen die Deckenelemente an den Stirnseiten zu deren Stabilisierung während Transport und Montage. (Isometrie: merz kley partner)
Die Baubuche-Stützen und -Träger sind während der Montage zum Schutz vor Witterungseinflüssen in Folie gepackt. Die Rippendecken spannen im Erdgeschoss einerseits von den Trägern zum Stahlbetonkern, wechseln an anderer Stelle aber die Richtung – eine von wenigen Ausnahmen im Tragwerkskonzept. (Foto: merz kley partner)
Die 5,12 m langen Holzrippendecken sind verlegt. Sie spannen vom Fassaden-Träger zum innenliegenden Träger. Um die 12 cm Aufbeton aufbringen zu können, mussten die Rippen der Decken eine Abstützung erhalten ... siehe Foto direkt darunter! (Foto: merz kley partner)
Die ausgefrästen Kerven für den Verbund von Holz und Beton sind als dunkle Rechtecke zu erkennen. Vor dem Aufbringen des Betons wurde noch Mattenbewehrung und Bewehrungseisen verlegt. (Foto: merz kley partner)
Damit die Holzrippendecken das Gewicht des frischen Aufbetons bis zur Aushärtung verformungsfrei überstehen, wurden Abstützungen unter den Deckenelementen bzw. unter den Holzrippen platziert. (Foto: merz kley partner)

Bei der Montage wurde zunächst der Kern, bestehend aus Stahlbetondecken auf Stahlbetonstützen sowie im Bereich der sanitären Anlagen auch Stahlbetonwänden, errichtet. Anschließend folgte die Platzierung der rund 4,50 m hohen Baubuche-Stützen mit Abmessungen von 36 cm x 40 cm im Erdgeschoss, gesichert durch temporäre Absprießungen. Auf den Stützen in den Fassadenachsen wurden dann 36 cm breite und 48 cm hohe Baubuche-Träger verlegt. Zwischen diesen Fassadenträgern und dem massiven Kern konnte schließlich der ‚hölzerne Teil‘ der HBV-Decken elementweise eingehängt, die Bewehrung eingelegt und die unterschiedlich großen Auskragungen vorbereitet werden. Bevor schließlich der Aufbeton für die HBV-Decken im Erdgeschoss eingebracht wurde, mussten entsprechende Abstützungen unter der Decke aufgestellt werden. Nach diesem Prinzip wurde das Gebäude Geschoss für Geschoss errichtet. Mit einer Gesamtgeschossflächenzahl von 20.000 m2 konnte es dank des hohen Vorfertigungsgrades in nur rund neun Monaten fertiggestellt werden. Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe

Bautafel:

Bauherr
R&S Immobilienmanagement GmbH, D-81671 München, 
www.rusim.de

Architektur
C.F. Møller GmbH, DK-2200 Kopenhagen, www.cfmoller.com, in Kooperation mit RKW Architektur+, RKW Architektur + Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH, D-40474 Düsselsorf, www.rkwmail.de

Tragwerksplanung
merz kley partner, A-6850 Dornbirn, www.mkp-ing.com, und BWP Ingenieure GmbH, D-80807 München, www.bwpgmbh.de

Holzbau
Eder Holzbau GmbH, D-83075 Bad Feilnbach, www.eder-holzbau.de

Produktion Baubuche-Bauteile
Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG, D-99831 Creuzburg, www.pollmeier.com