Im Umfeld des Münchner Ostbahnhofs entsteht ein neues Quartier, das Werksviertel. Hier sollen innovative Arbeitswelten, also Büros nach New-Work-Konzepten, ebenso ihren Platz finden wie Gastronomie, Handel, Kunst und Freizeitangebote. „Work-live-Quartier“ lautet das Credo. Eines dieser Gebäude ist das im Sommer 2025 fertiggestellte, sechsgeschossige Bürogebäude namens ‚i8’ auf dem sogenannten iCampus. Mit ihm erhielt das Werksviertel einen Holz-Hybridbau, bei dem von Anfang an das Wohlbefinden der Mitarbeitenden im Fokus der Planung stand. Eine maßgebliche und tragende Rolle spielt dabei Buchen-Furnierschichtholz.
Das renommierte dänische Architekturbüro C.F. Møller hat im neuen Münchner Quartier ein Gebäude entwickelt, bei dem die Bauherrschaft neben nachhaltiger Bauweise, vor allem auch Räume mit hoher Aufenthaltsqualität wünschte. Entsprechend stand eine harmonische Atmosphäre mit wohngesundem Raumklima für das Wohlbefinden der Nutzer im Mittelpunkt des Entwurfs, mit dem das Büro 2020 aus dem für das Projekt ausgelobten Wettbewerb als Sieger hervorgegangen ist.
Auf einer Grundfläche von etwa 3.600 m2 entwickelt sich der 23 m hohe Sechsgeschosser in Form eines liegenden U mit unterschiedlich langen Schenkeln. Der nördliche Flügel ist mit 115 m Länge mehr als doppelt so lang wie sein paralleles Gegenüber mit 49 m Länge. Ersterer mündet in einer rechtwinkligen Spitze, die ihrerseits nur dreigeschossig ist, aber eine Dachterrasse erhielt. Alle übrigen Bereiche sind sechsgeschossig. Diese beiden etwa 19 m breiten Gebäudeschenkel sind in einem lichten Abstand von rund 11 m platziert. Zusammen mit dem rund 12 m breiten Querriegel umschließen sie bis zur Länge des kurzen Schenkels den innenseitigen U-Raum, der als Atrium dient. Jeder Gebäudeschenkel wird in Längsrichtung über einen zentralen Stahlbetonriegel erschlossen, der neben Treppen und Aufzügen auch sanitäre Anlagen und weitere Aufenthalts- und Besprechungsräume aufnimmt. Flure führen zu den beidseitig angeordneten Büros, deren Flächen sich flexibel unterteilen lassen.
Die Holzskelettbauweise aus hochtragfähigen Buchen-Furnierschichtholz(FSH)-Stützen und -Trägern ermöglichte die gewünschte offene Bürostruktur auf Basis eines Konstruktionsrasters in Gebäude-Quer- und in Büroraum-Längsrichtung von 5,40 m. Neben den Büroräumen mit Raumhöhen von rund 3 m bietet das i8 mit seinem Atrium auch einen Eventspace für bis zu 600 Personen. Dieses über alle sechs Geschosse reichende Atrium mit „schwebenden“ Treppen und Brücken sowie große Holzrahmen, die sich aus der Innenfassade in den Luftraum zu schieben scheinen, ist besonders gestaltprägend.
Ohne Buchen-Furnierschichtholz, kurz Baubuche, wäre das Projekt in Holzbauweise mit solch schlanken Querschnitten und einfachen Verbindungen nicht möglich gewesen. Die hohe Tragfähigkeit der Baubuche ermöglichte außer kleineren Querschnitten auch die Ausbildung vieler Details als Holz-Holz-Verbindung, bei der die Lastübertragung direkt über Holzkontakt erfolgt.
Außer den beiden langgestreckten Stahlbeton-Erschließungskernen im Inneren der beiden Gebäuderiegel sind quasi alle tragenden Bauteile wie Stützen, Fassaden- und Hauptträger sowie Unterzüge aus Baubuche gefertigt. Lediglich an den Gebäudeecken kamen Stahlbeton-Verbundträger (Peikko Deltabeam) zum Einsatz, um den Wechsel der Spannrichtung der Holz-Beton-Verbund-Decken zu bewerkstelligen. Und an anderer Stelle wählten die Tragwerksplaner aufgrund von fehlenden Stützen zudem einen 12 m weit spannenden Stahlkastenträger als Überzug bzw. Abfangträger. Doch insgesamt lag der Fokus darauf, die Lasten möglichst durch Druckanschlüsse über Holz-Holz-Verbindungen zu übertragen, um so die Menge der Verbindungsmittel reduzieren zu können.
Die Geschossdecken sind mit Holz-Beton-Verbund(HBV)-Elementen in Form von Rippendecken ausgeführt. Zu jedem Deckenelement gehören vier Baubuche-Träger (b x h = 20 cm x 24 cm), jeweils einer an den äußeren Längsseiten sowie ein Doppelträger in der Mitte. Beplankt sind die Elemente betonseitig mit Holzspanplatten (LivingBoard P7). Zahnleisten, ebenfalls aus Baubuche, fassen die Elemente an den Stirnseiten und sorgen für die nötige Stabilität der Deckenelemente während Transport und Montage.
Bei der Montage wurde zunächst der Kern, bestehend aus Stahlbetondecken auf Stahlbetonstützen sowie im Bereich der sanitären Anlagen auch Stahlbetonwänden, errichtet. Anschließend folgte die Platzierung der rund 4,50 m hohen Baubuche-Stützen mit Abmessungen von 36 cm x 40 cm im Erdgeschoss, gesichert durch temporäre Absprießungen. Auf den Stützen in den Fassadenachsen wurden dann 36 cm breite und 48 cm hohe Baubuche-Träger verlegt. Zwischen diesen Fassadenträgern und dem massiven Kern konnte schließlich der ‚hölzerne Teil‘ der HBV-Decken elementweise eingehängt, die Bewehrung eingelegt und die unterschiedlich großen Auskragungen vorbereitet werden. Bevor schließlich der Aufbeton für die HBV-Decken im Erdgeschoss eingebracht wurde, mussten entsprechende Abstützungen unter der Decke aufgestellt werden. Nach diesem Prinzip wurde das Gebäude Geschoss für Geschoss errichtet. Mit einer Gesamtgeschossflächenzahl von 20.000 m2 konnte es dank des hohen Vorfertigungsgrades in nur rund neun Monaten fertiggestellt werden. Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe
Bauherr:
R&S Immobilienmanagement GmbH, D-81671 München,
www.rusim.de
Architektur:
C.F. Møller GmbH, DK-2200 Kopenhagen, www.cfmoller.com in Kooperation mit RKW Architektur+, RKW Architektur + Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH, D-40474 Düsselsorf, www.rkwmail.de
Tragwerksplanung:
merz kley partner, A-6850 Dornbirn, www.mkp-ing.com und BWP Ingenieure GmbH, D-80807 München, www.bwpgmbh.de
Holzbau:
Eder Holzbau GmbH, D-83075 Bad Feilnbach, www.eder-holzbau.de
Produktion Baubuche-Bauteile:
Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG, D-99831 Creuzburg, www.pollmeier.com