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Die rund 50 m lange, gut 23 m breite und etwa 10,50 m hohe Fertigungshalle von Holzbau Schmäh gräbt sich formschön in den Hang. Das dafür gewählte Holztragwerk ermöglichte die Glasfront über die gesamte Hallenlänge. Auch die außergewöhnliche Holzfassade aus Waldkantenbrettern fällt sofort ins Auge. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Stützwände aus Stahlbeton stemmen sich hangseitig gegen das Erdreich. Ansonsten ermöglicht die Reihung von "Trägern auf zwei Stützen" in Kombination mit einem wandartigen Träger (über der Glasfassade links) und anderen aussteifenden Elementen die lichtdurchflutete Hallenarchitektur. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Ein Lichtband in Dachebene direkt entlang der Hauptlängswand sorgt zusätzlich für Tageslicht in der Halle. Auf der restlichen Dachunterseite dienen Holzfaserplatten auf einer Sekundärkonstruktion für eine gute Schallabsorption. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Die Platzierung der beiden Gebäude ist an den natürlichen Höhenverlauf angepasst. Die terrassierte Anordnung minimierte Eingriffe ins Gelände. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Das Dach der Fertigungshalle wurde als Gründach ausgeführt und mit einer 100-kW-Photovoltaik-Anlage ausgestattet. (Foto: Martin Maier Photography BFF)

Erweiterung auf wenig Platz

Eine zu klein gewordene Produktionshalle, hohe Wachstumserwartungen, der Wunsch nach modernen Formen der Zusammenarbeit sowie Anforderungen der digitalen Transformation veranlassten Holzbau Schmäh, den ursprünglichen Firmensitz im Zentrum von Meersburg (am Bodensee) aufzugeben. Dort war weder eine Erweiterung der Produktionshalle möglich gewesen, noch die Optimierung der Betriebsabläufe. Der Bauherr errichtete stattdessen im Gewerbegebiet einen aus zwei Gebäuden bestehenden Neubau: Dieser kombiniert eine moderne Fertigungshalle als Ingenieurholzbau mit einem sechsgeschossigen Neubau in Holzskelettbauweise.

Ein niedriger Querriegel verbindet das 15,70 m hohe Büro- und Wohnhaus mit der Fertigungshalle. Ihre Anordnung bildet einen Hof, auf dem auch Parkplätze unterkommen. (Foto: Susanne Jacob-Freitag)
Das durchdachte Gebäudekonzept ermöglicht optimale Verbindungen und Blickbeziehungen ebenso wie Privatheit, etwa bei den Apartments im Westen (rechts im Bild). (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)
Grundriss auf Galerie-Ebene (Halle) bzw. Gemeinschaftsraum-Ebene (Büro-/Wohngebäude) (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)
Grundriss Halle auf Fertigungsebene (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)

Tragwerk der Fertigungshalle für viel Lichteinfall

Die 50,10 m lange, 23,20 m breite und 10,50 m hohe Produktionshalle (Außenabmessungen der fertig errichteten Halle) steht überwiegend auf faserarmiertem Schwerlastestrich auf einer kapillarbrechenden Kiesschicht und einer Dämm- und Drainschicht aus Schaumglasschotter. Lediglich die Fundamente und Hangstützwände sind aus Stahlbeton. Der auf dieser Gründung stehende Holzbau basiert auf Rahmentragwerken in Form von „Trägern auf zwei Stützen“. Die etwa 22,40 m langen Brettschichtholz-Träger auf -Stützen unterschiedlicher Längen (l1: 8,55 m, l2: 9,35 m) reihen sich im Achsabstand von 1,90 m aneinander. Dabei sind die Stützenquerschnitte 20 cm breit und 24 cm bzw. 32 cm tief dimensioniert. Die ebenfalls 20 cm breiten Brettschichtholz -Satteldachträger haben eine variable Trägerhöhe von 80 cm am Auflager und 120 cm in Bindermitte bzw. am First. 

Sie sind auf der Hangseite seitlich über Stahleinschubverbinder unsichtbar an die 9,35 m hohen Stützen angehängt, und auf der anderen Seite auf den Köpfen der 8,55 m hohen Stützen aufgelegt und an sie angeschlossen. Jede zweite Stütze dient zusätzlich als Auflager für die Kranbahn. Hierzu wurden die Stützenquerschnitte jeweils über eine Höhe von 7,40 m „aufgedoppelt“, das heißt die 24 cm wurden um 34 cm auf 58 cm vergrößert bzw. die 32 cm um 36 cm auf 68 cm. Die sich dadurch ergebenden Versätze dienen der Kranbahn als Auflagerkonsole. Hangseitig sind diese tieferen Hauptstützen im unteren Drittel in die betonierte Hangstützwand eingespannt und übernehmen dadurch gleichzeitig die Queraussteifung der Halle.

Stahleinschubverbinder ermöglichen das unsichtbare Einhängen der Satteldach-Träger an die 9,35 m hohen Stützen auf der Hangseite, deren Querschnitte jeweils über eine Höhe von 7,40 m „aufgedoppelt“ wurden. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Im Achsabstand von 1,90 m spannen die Satteldach-Träger auf Stützen das Hallentragwerk auf. Im Hintergrund sind die Stahlbeton-Stützwände zu sehen. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Die 20 cm breiten Stützen sind dort, wo die Kranbahn wie auf einer Konsole aufgelagert ist, "aufgedoppelt", das heißt die Tiefe wurde von 24 cm auf 58 cm (hangabgewandte Seite) bzw. von 32 cm auf 68 cm (Hangseite) vergrößert. (Foto: Susanne Jacob-Freitag)
Hallenquerschnitt: Satteldach-Träger auf unterschiedlich hohen Stützen. Hangseitig sind die Träger seitlich an die Stützen angehängt, gegenüber wurden sie auf die Stützenköpfe aufgelegt. (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)
Die 20 cm breiten und 68 cm tiefen Hauptstützen sind auf der Hangseite im unteren Drittel in die betonierte Stützwand eingespannt und sorgen damit u.a. für die Queraussteifung der Halle. (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)
Detail seitlicher Anschluss Binder/Stütze und Ausführung der Einspannung am Stützenfuß und an die Stützwand. (Zeichnung: merz kley partner)

An der hangabgewandten Südfassade leitet ein 10 cm dicker, 3 m hoher wandartiger Brettsperrholz-Träger die aus den oberen Wandbereichen und dem Dach resultierenden Lasten jeweils in die angrenzenden Hauptstützen ab. In die trägerbreiten Aussparungsschlitze im darüberliegenden Wandbereich wurden die Enden der Satteldach-Binder eingeschoben und  wie bei einem Gabellager gegen Kippen gesichert. Dies ermöglichte großzügige Glasfronten und -tore im unteren Längswandbereich.

Montage des wandartigen Trägers aus 5-lagigem BSP bzw. der BSP-Elemente für die übrigen Wandbereiche über dem wandartigen Träger. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Die auf den Stützenköpfen aufgelegten Enden der Satteldach-Binder wurden zudem gegen Kippen in die Schlitze der BSP-Wand (links) eingeschoben. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Anordnung der BSP-Wandelemente über die gesamte Hallenlänge oberhalb der 4,70 m hohen Glasfassade. Sie sorgen u.a. für die Längsaussteifung und den Lastabtrag. (Zeichnung: merz kley partner)
Anordnung der BSP-Wandelemente über die gesamte Hallenlänge oberhalb der 4,70 m hohen Glasfassade. Sie sorgen u.a. für die Längsaussteifung und den Lastabtrag. (Zeichnung: merz kley partner)

Ein Holzskelett als Tragwerk fürs Büro- und Wohngebäude

Der hangseitig rund 13,70 m hohe bzw. hofseitig rund 15,70 m hohe Sechsgeschosser mit 23 m Breite und knapp 13 m Tiefe ist als nutzungsneutrale Skelettstruktur konzipiert und damit sowohl flexibel an aktuelle als auch an zukünftige Anforderungen anpassbar. Bodenplatte, Kellerwände und Treppenhaus sind aufgrund der Hanglage aus Stahlbeton ausgeführt worden. Die Stützen im Erdgeschoss – dort, wo die Lastkonzentration am höchsten ist – sind aus hochfestem, luftgetrocknetem Eichenholz mit Querschnittsabmessungen von 28 cm x 34 cm. Für alle anderen Stützen kam Brettschichtholz zum Einsatz.

Der 23 m breite und knapp 13 m tiefe sechsgeschossige Büro- und Wohnbau überragt die rund 50 m lange Fertigungshalle und bietet Weitblick auf den Bodensee. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Das hofseitig rund 15,70 m hohe Büro- und Wohngebäude ist ein Holzskelettbau, den hochwärmegedämmte Holztafelbau-Elemente geschossweise ausfachen. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Der Gemeinschaftsbereich für die WG im Rohbau mit Stützen in Außenwandebene und Holztafelbau-Elementen. Auch die Trennwände wurden in Holztafelbauweise ausgeführt. Links im Bild zu sehen: Die Beplankung der Holztafelbauwände mit Diagonalschalung. (Foto: Holzbau Schmäh)
Vorfertigung der Deckenelemente bereits in der neuen Halle. Für einen guten Schallschutz wurden die Gefache mit Lehm aus dem Baugrubenaushub verfüllt. (Foto: Holzbau Schmäh)
Explosionszeichnung der Decken- bzw. Kastenelementen mit Brettschichtholz-Rippen und beidseitiger Beplankung mit Furnierschichtholzplatten. (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)
Hochwärmegedämmte Holztafelbau-Elemente fachen den Holzskelettbau in Außenwandebene geschossweise aus. Eine raumseitige Beplankung aus OSB-Platten sorgt gleichzeitig für Luftdichtheit. (Foto: Holzbau Schmäh)
Die Geschosse des Skelettbaus lassen sich flexibel einteilen. Etwa in kleine Raumeinheiten (mit Holzwand und Lehmputz für gesundes Raumklima), ... (Foto: Martin Maier Photography BFF)
..., oder in helle Großraumbüros, wie in den unteren Etagen bzw. im sechsten Geschoss, wo die Architekten des Gebäudeensembles ihr Büro haben. (Foto: Martin Maier Photography BFF)
Fassadenschnitt mit Decken- und Außenwandaufbau (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)

Hochwärmegedämmte Außenwände und Kastenelemente für Geschossdecken und Dach

Die Außenwände des Wohn- und Bürogebäudes sind als 27,60 cm dicke, hochwärmegedämmte Holztafelbau-Elemente ausgeführt. Das mit Zellulose voll ausgedämmte Ständerwerk aus Konstruktionsvollholz erhielt raumseitig für die Luftdichtheit eine Beplankung mit OSB-Platten. Auf der Außenseite folgen Gipsfaserplatten und Windpappe sowie der hinterlüftet ausgeführte Fassadenaufbau mit Lärchenholzschalung. Holz-Alu-Elementfenster sorgen für ausreichend Tageslicht, Brandschürzen schützen vor Brandüberschlag.

Die Decken des Gebäudes bestehen aus Kastenelementen mit Rippen aus Brettschichtholz und einer Beplankung aus Furnierschichtholzplatten. Dies ermöglicht große Spannweiten mit punktuellen Auflagern – ressourcenschonend, materialeffizient und mit kompakter Geometrie. Um den Schallschutzanforderungen zu genügen, wurden die Kastendecken vor Ort mit Lehm aus dem Baugrubenaushub beschwert. Das mit Holzfaserplatten gedämmte Flachdach ergänzen ein Gründachaufbau mit Dachabdichtung und Dampfsperre in Form von vorgefertigten EPDM-Bahnen sowie eine Photovoltaik-Anlage. Dipl.-Ing (FH) Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe

Detailschnitt Anschluss Geschossdecke an Außenwand mit Ausführung der Brandsperren. (Zeichnung: Klingelhöfer Krötsch Architekten)
Die geschossweisen Brandschürzen, die es bei Holzfassaden gegen Brandüberschlag braucht, sind auch architektonisches Element und gliedern den Sechsgeschosser horizontal. (Foto: Martin Maier Photography BFF)

Bautafel:

Projekt: Fertigungshalle mit Büro-/Wohngebäude in Meersburg 

Bauherr: Schmäh Immobilien GmbH, D-88709 Meersburg

Fertigstellung: 2024

Architektur: 
Klingelhöfer Krötsch Architekten, D-81475 München und D-88709 Meersburg, www.klingelhoefer-kroetsch.de

Tragwerksplanung:
merz kley partner, A-6850 Dornbirn, www.mkp-ing.com

Holzbau:
Holzbau Schmäh, D-88709 Meersburg, www.holzbau-schmaeh.de

Massivbau: 
Georg Reisch GmbH & Co KG, D-88348 Bad Saulgau, www.reisch.de 

Brandschutz: 
Hofmann Engineering, D-88709 Meersburg, www.he-vb.de, und
Pirmin Jung Deutschland, D-53424 Remagen, www.pirminjung.de

Baupysik: 
GSA Körner GmbH, D-78479 Reichenau, www.gsa-koerner.de

HLS-Planung: 
Ingenieurbüro Georg Schwald, D-78256 Steißlingen

Lichtplanung: 
Beckert & Soanca-Pollak GmbH, D-80339 München, www.beckertsoancapollak.de

Landschaftsarchitektur:
Widenhorn Gärten am See, D-78354 Sipplingen 
www.gaerten-am-see.de