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Das direkt am Bahnhof errichtete Fahrradparkhaus fungiert zugleich als Mobilitäts- und Infopunkt für die diversen Verkehrsarten. Das Erdgeschoss umsäumt eine hinterlüftete, vertikale Brettschalung aus Douglasienholz (2 cm x 14 cm), darüber folgt die Glasfassade mit den fassadenintegrierten Photovoltaik-Modulen. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Das direkt am Bahnhof errichtete Fahrradparkhaus fungiert zugleich als Mobilitäts- und Infopunkt für die diversen Verkehrsarten. Das Erdgeschoss umsäumt eine hinterlüftete, vertikale Brettschalung aus Douglasienholz (2 cm x 14 cm), darüber folgt die Glasfassade mit den fassadenintegrierten Photovoltaik-Modulen. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Die befahrbare Rampe aus Stahlbeton führt zu den im Obergeschoss befindlichen Parkzonen. So erreichen die Radelnden den Parkraum. Die tragende Außenwand der Rampe blieb innenseitig als Sichtbeton belassen, die innenliegende Rampenwand ist wie die gesamte Fassade des Erdgeschosses mit vertikalem Douglasienholz bekleidet. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Die fassadenintegrierten Photovoltaik-Module im Obergeschoss speisen den lokal erzeugten Strom in die Ladestationen der E-Bikes. Die monokristallinen Module (15 cm x 15 cm) sind in bis zu 1,35 m x 5 m große Scheiben aus Verbundsicherheitsglas integriert. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Das Obergeschoss des Fahrradparkhauses wartet mit Sammelstellplätzen, Ladestationen und Einzelboxen für die verschiedenen Radtypen auf. Die E-Bikes lassen sich während des Parkvorgangs mit dem im Gebäude selbst erzeugten Solarstrom aufladen. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)

Fahrradparkhaus mit dem Schwung des Rades

Die Verbindung von ökologischer Bauweise und emissionsfreiem Verkehr hat im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach ein hölzernes Fahrradparkhaus hervorgebracht, das direkt am Bahnhof als Mobilitäts- und Infopunkt für den intermodalen Verkehr dient. Die kreisrunde Form des Rades und die fließenden Bewegungen des Radverkehrs inspirierten den Architekten Sven Schneider zu einem organisch geschwungenen Baukörper mit fassadenintegrierten Photovoltaikmodulen.

Die rund 50.000 Einwohner zählende Mittelstadt ist Dienstsitz der Kreisverwaltung und wirtschaftliches Zentrum einer Region mit 150.000 Menschen; entsprechend stauen sich die Pendlerströme morgens und abends auf den Ausfallstraßen. Mit der Mobilitätsstation am Bahnhof verteilt die Kommune diese Verkehre nun gezielt auf die verschiedenen Verkehrsträger, allen voran auf das Fahrrad. Im Erdgeschoss beherbergt der Neubau ein Dienstleistungscenter für (Rad-)Tourismus und E-Mobilität samt Werkstatt und ÖPNV-Infostelle, im Obergeschoss stehen auf rund 780 m² etwa 400 Radabstellplätze bereit, die die Radelnden ohne abzusteigen über eine Rampe erreichen.

Holztafelbau-Außenwände und massivhölzerne Akustikelemente

Die Gründung der gut 59 m langen, 18 m breiten und 7,80 m hohen Mobilitätsstation basiert auf einer 25 cm dicken Stahlbeton-Bodenplatte. Ebenso wie diese bestehen die beiden Erschließungskerne und die Außenwand der Rampe aus Stahlbeton; die Kerne steifen die Konstruktion aus und leiten die Horizontallasten der hölzernen Decken- und Dachebene in die Fundamente ab. Die werkseitig vorgefertigten Holztafelbau-Außenwandelemente des Erdgeschosses basieren auf einem 16 cm tiefen, mit Mineralwolle gedämmten Konstruktionsvollholz-Ständerwerk, das innenseitig eine an den Stößen verklebte OSB-Lage von 15 mm aussteift, die zugleich als luftdichte Ebene und Dampfbremse fungiert. Außen umsäumt eine hinterlüftete, vertikale Brettschalung aus Douglasienholz das Erdgeschoss.

Das innere Herzstück bildet eine tragende Mittelwand in Holzständerbauweise, die auf rund 30 m Länge das Kundencenter von den Nebenräumen und der Fahrradwerkstatt trennt. Ihre 43 mm dicken, massivhölzernen Akustikelemente mit integriertem Holzweichfaser-Schallabsorber erzielen Absorptionswerte bis zu 0,80 αw. Statisch dient die Akustikwand als Auflager für die Deckenscheibe und trägt zentrale Horizontallasten ab.

Isometrie des zweigeschossigen Fahrradparkhauses, dessen organisch geschwungene Form sich an die Platzkante anschmiegt: Im Erdgeschoss liegen Kundencenter, Fahrradwerkstatt und Nebenräume, im Obergeschoss der über eine Rampe erschlossene Parkraum (Bildquelle: Schuth GmbH Lohnabbund)
Grundriss des Erdgeschosses, das neben dem Dienstleistungscenter für (Rad-)Tourismus und E-Mobilität auch die Fahrradwerkstatt, eine ÖPNV-Infostelle sowie WC und Aufenthaltsraum aufnimmt (Bildquelle: Slb Architekten und Ingenieure)
Grundriss des Obergeschosses, das auf rund 780 m² Fläche etwa 400 Radabstellplätze bereithält und über die Rampe ohne Absteigen erreichbar ist (Bildquelle: Slb Architekten und Ingenieure)
Längsschnitt durch die gut 59 m lange und 7,80 m hohe Mobilitätsstation. (Bildquelle: Slb Architekten und Ingenieure)
Querschnitt durch den 18 m breiten Baukörper: Die hölzerne Deckenebene trennt das beheizte Erdgeschoss vom kalten Parkraum im Obergeschoss. (Bildquelle: Slb Architekten und Ingenieure)
Die mittig platzierte Holzständerwand, die das Kundencenter von der Fahrradwerkstatt trennt, verfügt über massivhölzerne Akustikelemente mit einem integrierten Holzweichfaser-Schallabsorber. Auf rund 30 m Länge prägt die optisch wie akustisch wirksame Paneelbekleidung die Dienstleistungs-, Büro- und Verkaufsräume; die Absorber hinter den Fugen der Brettstreifen aus unbehandeltem, gebürstetem Kiefernholz erzielen Absorptionswerte bis zu 0,80 αw. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Die werkseitig vorgefertigten, bis zu 18 m langen und rund 2,8 t schweren Brettschichtholz-Deckenelemente mussten aus Gewichtsgründen auf der Baustelle ausgedämmt werden. Ihr Aufbau basiert auf zwei Balkenlagen aus Fichten-Brettschichtholz, die oberseitig über Furnierschichtholz-Platten miteinander verbunden sind. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Blick von der Auffahrrampe nach oben: Ohne abzusteigen gelangen die Radelnden über die geschwungen ansteigende Rampe zu den Parkzonen im Obergeschoss. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Die befahrbare Rampe aus Stahlbeton führt zu den im Obergeschoss befindlichen Parkzonen. So erreichen die Radelnden den Parkraum. Die tragende Außenwand der Rampe blieb innenseitig als Sichtbeton belassen, die innenliegende Rampenwand ist wie die gesamte Fassade des Erdgeschosses mit vertikalem Douglasienholz bekleidet. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)
Die Rampenauffahrt ruht auf mittels Balkenschuhen an den Stahlbetonwänden spiralförmig montierten Brettschichtholz-Balken. Darauf montierten die Zimmerer eine 39 mm dicke Furnierschichtholz-Platte, gefolgt von einer bituminösen Abdichtung und einer 2 cm dicken XPS-Dämmlage. Den Abschluss bildet bewehrter Zementestrich. (Foto: Sven Schneider, Slb Architekten und Ingenieure)

Vorgefertigte Deckenelemente und fassadenintegrierte Photovoltaik

Die Decke über dem Erdgeschoss setzt sich aus 20 weitgehend vorgefertigten Elementen zusammen, die die Zimmerei Schuth im Werk vorfertigte. Mit Maximalmaßen von 18 m x 2,08 m x 0,56 m und einem Leergewicht von bis zu 2,8 t konnten sie aus Gewichtsgründen erst auf der Baustelle mit eingeblasener Zellulose gedämmt werden. Ihr Aufbau basiert auf zwei Balkenlagen (b x h: 16 cm x 52 cm) aus Fichten-Brettschichtholz der Festigkeitsklasse GL 24c, die oberseitig über 45 mm dicke Furnierschichtholz-Platten verbunden wurden. Zur Montage ließ man die Platten am Elementende 8 cm überstehen.

Die das Gebäude erschließende Rampe besteht beidseitig aus 30 cm dicken Stahlbetonwänden. Ihr Aufgang ruht auf spiralförmig mit Balkenschuhen angeschlossenen Brettschichtholz-Balken. Für die Tragwerksplaner von Pirmin Jung galt es, die kreisbogenartigen Geometrien an den Schnittstellen von Stahlbeton- und Holzbau abzubilden. Die Annäherung an den geschwungenen Baukörper erfolgte über polygonartig segmentierte Elemente und Bauteile.

Die Außenwände des Obergeschosses gründen auf einer Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Brettschichtholz, an der eine selbsttragende Aluminiumunterkonstruktion mit bis zu 6,75 m² großen Scheiben aus Verbundsicherheitsglas als Vorhangfassade montiert wurde. Die darin integrierten monokristallinen PV-Module erzeugen auf rund 220 m² Fläche bei einer Nennleistung von 150 W/m² den Ladestrom für die E-Bikes; ein hauseigener Stromspeicher stellt überschüssigen Solarstrom nach Sonnenuntergang bereit. Den oberen Abschluss bildet ein Flachdach aus Brettschichtholz-Balken und Fichtenholz-Dreischichtplatten mit einem extensiven Gründach. Marc Wilhelm Lennartz, St. Goar

Bautafel:

Bauherrschaft: Stadt Bad Kreuznach,
D-55543 Bad Kreuznach, www.bad-kreuznach.de

Baukosten (KG 300 und 400): 2,1 Mio. Euro netto 

Architektur, Gesamtkonzept: slb_architekten und ingenieure StadtLandBahn Hachenberg & Roll GbR,
D-56154 Boppard, www.stadtlandbahn.de

Holzbau-Werkplanung, Abbund, Vorfertigung: Zimmerei – Fertigbau Schuth GmbH,
D-56299 Ochtendung, www.holzbau-schuth.de

Holzbau-Montage, Dacheindeckung: Holzbau Lehmann GmbH,
D-55543 Bad Kreuznach, www.holzbaulehmann.de

Tragwerksplanung: Pirmin Jung Deutschland GmbH,
D-53424 Remagen, www.pirminjung.de

Glasfassade, Photovoltaik: JET Tageslicht & RWA GmbH,
D-32609 Hüllhorst, www.jet-group.com