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Hartholz für tragfähige Leichtigkeit

Mit der im Sommer 2025 eingeweihten Baumäckerhalle im beschaulichen Bihlafingen in der Nähe von Ulm entstand zwischen Kindergarten und Schule eine neue Sporthalle, die weit mehr als nur sportlichen Zwecken dient. Sie ist Herzstück des Gemeindelebens geworden – ein Ort für Schulsport, Vereinsaktivitäten und Feste der Gemeinde. Mit ihr schufen die Architekten einen Ort der Bewegung und Begegnung, der sich wie selbstverständlich in die ländliche Umgebung einfügt. Das Besondere: Ein außergewöhnliches Tragwerk aus Buchen-Furnierschichtholz, kurz Baubuche, prägt den Innenraum und ermöglicht eine filigrane Konstruktion mit beeindruckender Spannweite.

Das schmale, handtuchartige Grundstück der Baumäckerhalle fällt von Norden nach Süden stark ab, eine topografische Herausforderung, die Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Gewinner des Wettbewerbs von 2018, intelligent zu nutzen wussten. Der knapp 37,20 m lange, 16,80 m breite und 9,70 m hohe Baukörper mit einem 20° flach geneigten Giebeldach fügt sich geschickt in das natürliche Gefälle ein: Ein Teil der Nutzungen verschwindet im Hang, wodurch sich die Gebäudehöhe moderat entwickelt. So steht das archetypische, kompakte Gebäude mit Holzfassade wie selbstverständlich in der ländlichen Umgebung. Nach Norden präsentiert sich die Halle als niedriger, flacher Langbau, während sie sich nach Süden mit einer bodenbündigen Glasfront großzügig öffnet und den Blick auf den naturnahen Rasenplatz freigibt.

Filigrane Polonceau-Träger aus BauBuche

Der Gebäudeentwurf folgt einer feingliedrigen Struktur mit einem Achsraster in Querrichtung von 5,55 m (Stahlbetonstützen) bzw. 2,775 m (BauBuche-Träger) und ist konsequent als Holzbau entwickelt. Das Herzstück des Gebäudes bildet das Dachtragwerk aus Polonceau-Trägern für die 28,65 m lange Halle. Entwickelt haben es die Architekten gemeinsam mit Prof. Jürgen Graf vom Forschungsbereich t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe der RPTU Kaiserslautern-Landau (vormals TU Kaiserslautern). Das Konstruktionsprinzip des nach dem französischen Ingenieur Barthélemy Camille Polonceau (1813-1859) benannten Trägers definiert die Sparren eines Satteldaches als unterspannte Träger, deren äußere Enden ein horizontales Zugband verbindet. Dazwischen dienen Stützen – auch als Luftstützen bezeichnet – als Druckglieder.

Für die Polonceau-Träger der Baumäckerhalle kam Baubuche (GL 75) zum Einsatz. Das ermöglichte es, die Träger mit besonders schlanken Bauteilquerschnitten auszuführen und die 16 m breite Halle dennoch frei mit diesen zu überspannen. Dabei sind alle Trägerquerschnitte 16 cm breit und 12 cm hoch – mit Ausnahme der etwa 8,50 m langen quadratischen Sparren mit dann ebenfalls 16 cm Höhe. Für die Unterspannungen und die Luftstützen sowie die Zugbänder waren die 12 cm jedoch ausreichend bemessen. Gerade bei Letzteren konnte die hohe Tragfähigkeit der Baubuche optimal genutzt werden. Bei der Montage der Träger wurden die druckbeanspruchten Stäbe holzbaugerecht durch sogenannte Treppenversätze gefügt, während die zugbeanspruchten Stäbe durch Schlitzblech-Stabdübel-Verbindungen verbunden sind. Unterm Strich prägt die filigrane Trägerausbildung die Innenraumwirkung maßgeblich.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Trägerart liegt auch darin, dass das statisch in sich geschlossene System nur vertikal gelagert werden muss. Und so sind die Polonceau-Träger im Achsabstand von 2,775 m auf den 2,65 m hohen Baubuche-Stützen, die vor diesem Hintergrund als Pendelstützen ausgeführt werden konnten, lediglich aufgelegt bzw. über eine in die Stütze eingelassene Stahlplatte mit Schubdornen auf diese reversibel aufgesteckt.

Auf den Baubuche-Trägern liegen in Hallenlängsrichtung voll ausgedämmte Holztafelbau-Elemente, deren unterseitige OSB-Beplankung mit den Baubuche-Sparren der Polonceau-Träger verschraubt und damit schubfest mit ihnen verbunden ist. Die auf diese Weise zu Dachscheiben ausgebildeten Dachhälften wurden zudem durch Verschraubung der Traggerippe der Holztafelbau-Konstruktionen von Dach und Wand schubfest an die Giebelwände angeschlossen und sorgen so für die Gebäudeaussteifung in Querrichtung. In Längsrichtung ist der Holzbau durch jeweils zwei Druckdiagonalen – ebenfalls aus BauBuche – in Ebene der Längswände im ersten und letzten Stützenfeld im Sinne einer „Sprengwerkkonstruktion“ ausgesteift. Die dafür erforderlichen horizontalen Druckstäbe entlang der Traufkanten sind als Randbalken in den Holztafelbau-Elementen der Dachscheibe integriert.

Ein Ort der Begegnung

Das Gebäude bildet einen identitätsstiftenden Ort, an dem kleine und große Feste gefeiert werden und der das soziale Leben in Bihlafingen nachhaltig bereichert. Die Baumäckerhalle zeigt exemplarisch, wie innovative Holzbautechnologie, respektvoller Umgang mit Topografie und Landschaft sowie durchdachte Funktionalität zu einem Bauwerk verschmelzen können, das weit über seine sportliche Funktion hinaus Bedeutung für eine Gemeinde entfaltet. Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe

Bautafel

Bauherr: Stadt Laupheim, Große Kreisstadt, Amt für Bautechnik und Umwelt, D-88471 Laupheim

Architektur: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, D-70199 Stuttgart, www.bhundf.com

Projektleitung: Arantxa Piñate, Jochen Günzler

Objektüberwachung: Gräfe Architekten, D-89073 Ulm, www.graefe-architekten.de

Tragwerksplanung: graf ingenieure, D-73540 Heubach, und f2k ingenieure gmbh, D-70173 Stuttgart, https://f2k-ingenieure.de

Landschaftsarchitektur: Studio Grijsbach Landschaftsarchitektur, D-51465 Bergisch Gladbach, www.grijsbach.de