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Die etwa 37,20 m lange, 16,80 m breite und im First 9,70 m hohe Baumäckerhalle fügt sich geschickt in die Topographie des Geländes ein. Ein Teil der Nutzungen 'verschwindet' dabei im Gebäudeteil der Hangseite. Die tragenden Stahlbetonstützen auf der Südseite liegen außerhalb der thermischen Hülle, wodurch die Glasfassade auf Hallenebene flächenbündig hinter den Stützen verlaufen kann. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)
Die Gebäudestruktur basiert auf einem Achsraster in Querrichtung von 5,55 m, das sich an den Stahlbetonstützen vor der bodenbündigen Glasfassade gut ablesen lässt. Die Glasfront gewährt von außen einen großzügigen Blick in die Halle bzw. gibt den Blick aus der Halle nach außen auf den Rasenplatz frei. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)
Nach Norden präsentiert sich das kompakte Gebäude mit Holzfassade und 20° flach geneigtem Giebeldach als niedriger, flacher Langbau. Die geschlossenen Außenwandelemente sind in Holztafelbauweise mit einer Fassadenbekleidung aus vertikalen, grau lasierten Lamellen aus Fichtenholz konstruiert. Die Fensterbänder sorgen für eine natürliche Belüftung der Halle. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)
Entsprechend seiner Lage am Hang hat die Halle zwei Zugänge: Von Norden, also der niedrig erscheinenden Seite, betritt man die Baumäckerhalle im Obergeschoss, wo sich die Umkleiden für Sportlerinnen und Sportler befinden. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)
Betritt man das Gebäude im Obergeschoss, fällt der Blick direkt auf die fast ornamental wirkende Dachkonstruktion aus Polonceau-Trägern, die die Sporthalle überspannen. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)
Die druckbeanspruchten Stäbe der Polonceau-Träger wurden durch Treppenversätze gefügt, die zugbeanspruchten Stäbe durch Schlitzblech-Stabdübel-Verbindungen verbunden. Unterm Strich prägt die filigrane Trägerausbildung die Innenraumwirkung maßgeblich. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)

Hartholz für tragfähige Leichtigkeit

Mit der im Sommer 2025 eingeweihten Baumäckerhalle im beschaulichen Bihlafingen in der Nähe von Ulm entstand zwischen Kindergarten und Schule eine neue Sporthalle, die weit mehr als nur sportlichen Zwecken dient. Sie ist Herzstück des Gemeindelebens geworden – ein Ort für Schulsport, Vereinsaktivitäten und Feste der Gemeinde. Mit ihr schufen die Architekten einen Ort der Bewegung und Begegnung, der sich wie selbstverständlich in die ländliche Umgebung einfügt. Das Besondere: Ein außergewöhnliches Tragwerk aus Buchen-Furnierschichtholz, kurz Baubuche, prägt den Innenraum und ermöglicht eine filigrane Konstruktion mit beeindruckender Spannweite.

Das schmale, handtuchartige Grundstück der Baumäckerhalle fällt von Norden nach Süden stark ab, eine topografische Herausforderung, die Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Gewinner des Wettbewerbs von 2018, intelligent zu nutzen wussten. Der knapp 37,20 m lange, 16,80 m breite und 9,70 m hohe Baukörper mit einem 20° flach geneigten Giebeldach fügt sich geschickt in das natürliche Gefälle ein: Ein Teil der Nutzungen verschwindet im Hang, wodurch sich die Gebäudehöhe moderat entwickelt. So steht das archetypische, kompakte Gebäude mit Holzfassade wie selbstverständlich in der ländlichen Umgebung. Nach Norden präsentiert sich die Halle als niedriger, flacher Langbau, während sie sich nach Süden mit einer bodenbündigen Glasfront großzügig öffnet und den Blick auf den naturnahen Rasenplatz freigibt.

Die filigranen Polonceau-Träger überspannen die 16 m breite Halle im Abstand von knapp 2,78 m und lagern auf 2,65 m hohen Baubuche-Stützen. Der Stahlbeton-Unterzug markiert den Übergang vom Massivbau im unteren zum Holzbau im oberen Bereich. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)
In der Längsansicht gut zu erkennen: Das Achsraster der Stahlbetonstützen ist doppel so groß, wie das der Polonceau-Träger. Akustikelemente aus Holzwolle-Leichtbauplatten ließen sich auf der Dachunterseite gut zwischen den Trägern einfügen. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten – Zooey Braun, Stuttgart)
Grundriss Erdgeschoss bzw. Hallenebene. Hier befindet sich der zweite Zugang für Schülerinnen und Schüler. Zentral im Foyer liegt die Küche, die Veranstaltungen in der Halle wie auch im Freien versorgen kann. (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Grundriss Obergeschoss. Hier befinden sich die Umkleiden für die Sportlerinnen und Sportler. Eine einläufige Treppe führt nach unten ins Foyer im Erd- bzw. Hanggeschoss. (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)

Filigrane Polonceau-Träger aus BauBuche

Der Gebäudeentwurf folgt einer feingliedrigen Struktur mit einem Achsraster in Querrichtung von 5,55 m (Stahlbetonstützen) bzw. 2,775 m (BauBuche-Träger) und ist konsequent als Holzbau entwickelt. Das Herzstück des Gebäudes bildet das Dachtragwerk aus Polonceau-Trägern für die 28,65 m lange Halle. Entwickelt haben es die Architekten gemeinsam mit Prof. Jürgen Graf vom Forschungsbereich t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe der RPTU Kaiserslautern-Landau (vormals TU Kaiserslautern). Das Konstruktionsprinzip des nach dem französischen Ingenieur Barthélemy Camille Polonceau (1813-1859) benannten Trägers definiert die Sparren eines Satteldaches als unterspannte Träger, deren äußere Enden ein horizontales Zugband verbindet. Dazwischen dienen Stützen – auch als Luftstützen bezeichnet – als Druckglieder.

Für die Polonceau-Träger der Baumäckerhalle kam Baubuche (GL 75) zum Einsatz. Das ermöglichte es, die Träger mit besonders schlanken Bauteilquerschnitten auszuführen und die 16 m breite Halle dennoch frei mit diesen zu überspannen. Dabei sind alle Trägerquerschnitte 16 cm breit und 12 cm hoch – mit Ausnahme der etwa 8,50 m langen quadratischen Sparren mit dann ebenfalls 16 cm Höhe. Für die Unterspannungen und die Luftstützen sowie die Zugbänder waren die 12 cm jedoch ausreichend bemessen. Gerade bei Letzteren konnte die hohe Tragfähigkeit der Baubuche optimal genutzt werden. Bei der Montage der Träger wurden die druckbeanspruchten Stäbe holzbaugerecht durch sogenannte Treppenversätze gefügt, während die zugbeanspruchten Stäbe durch Schlitzblech-Stabdübel-Verbindungen verbunden sind. Unterm Strich prägt die filigrane Trägerausbildung die Innenraumwirkung maßgeblich.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Trägerart liegt auch darin, dass das statisch in sich geschlossene System nur vertikal gelagert werden muss. Und so sind die Polonceau-Träger im Achsabstand von 2,775 m auf den 2,65 m hohen Baubuche-Stützen, die vor diesem Hintergrund als Pendelstützen ausgeführt werden konnten, lediglich aufgelegt bzw. über eine in die Stütze eingelassene Stahlplatte mit Schubdornen auf diese reversibel aufgesteckt.

Die Polonceau-Träger wurden komplett vorgefertigt und so ausgeführt, dass die einzelnen Querschnitte nach einer eventuellen späteren Demontage des Trägers wiederverwendbar sind. Die Polonceau-Träger sind statisch in sich geschlossen, sodass sie ... (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
... lediglich über eine in die Stütze eingelassene Stahlplatte mit Schubdornen auf die als Pendelstütze ausgeführte Baubuche-Stütze reversibel aufgesteckt werden konnten. Auch diese reversible Fügung ermöglicht es im Sinne der zirkulär gedachten Architektur, die Träger nach Nutzungsende wieder von den Stützen zu lösen. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Prinzip-Skizze: Die Polonceau-Träger wurden durch sogenannte Treppenversätze und Verschraubungen gefügt und die Trägerenden in den Stahlplattenanschluss der Stütze 'eingefädelt'. (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Durch die Verzahnung der Baubuche-Bauteile ließen sich die Kräfte trotz schlanker Querschnitte optimal übertragen und einleiten. (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Detail-Querschnitt durch den südlichen Teil des Gebäudes (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Detail-Querschnitt durch den südlichen Teil des Gebäudes mit Dach-/Wand- bzw. Fassaden- und Bodenaufbauten. (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)

Auf den Baubuche-Trägern liegen in Hallenlängsrichtung voll ausgedämmte Holztafelbau-Elemente, deren unterseitige OSB-Beplankung mit den Baubuche-Sparren der Polonceau-Träger verschraubt und damit schubfest mit ihnen verbunden ist. Die auf diese Weise zu Dachscheiben ausgebildeten Dachhälften wurden zudem durch Verschraubung der Traggerippe der Holztafelbau-Konstruktionen von Dach und Wand schubfest an die Giebelwände angeschlossen und sorgen so für die Gebäudeaussteifung in Querrichtung. In Längsrichtung ist der Holzbau durch jeweils zwei Druckdiagonalen – ebenfalls aus BauBuche – in Ebene der Längswände im ersten und letzten Stützenfeld im Sinne einer „Sprengwerkkonstruktion“ ausgesteift. Die dafür erforderlichen horizontalen Druckstäbe entlang der Traufkanten sind als Randbalken in den Holztafelbau-Elementen der Dachscheibe integriert.

Ein Ort der Begegnung

Das Gebäude bildet einen identitätsstiftenden Ort, an dem kleine und große Feste gefeiert werden und der das soziale Leben in Bihlafingen nachhaltig bereichert. Die Baumäckerhalle zeigt exemplarisch, wie innovative Holzbautechnologie, respektvoller Umgang mit Topografie und Landschaft sowie durchdachte Funktionalität zu einem Bauwerk verschmelzen können, das weit über seine sportliche Funktion hinaus Bedeutung für eine Gemeinde entfaltet. Dipl.-Ing. (FH) Susanne Jacob-Freitag, Karlsruhe

Bautafel

Bauherr: Stadt Laupheim, Große Kreisstadt, Amt für Bautechnik und Umwelt, D-88471 Laupheim

Architektur: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, D-70199 Stuttgart, www.bhundf.com

Projektleitung: Arantxa Piñate, Jochen Günzler

Objektüberwachung: Gräfe Architekten, D-89073 Ulm, www.graefe-architekten.de

Tragwerksplanung: graf ingenieure, D-73540 Heubach, und f2k ingenieure gmbh, D-70173 Stuttgart, https://f2k-ingenieure.de

Landschaftsarchitektur: Studio Grijsbach Landschaftsarchitektur, D-51465 Bergisch Gladbach, www.grijsbach.de

Produktion Baubuche-Bauteile:
Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG, D-99831 Creuzburg, www.pollmeier.com